Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Nationales Fachprogramm pflanzengenetische Ressourcen

Das "Nationale Fachprogramm zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturpflanzen" dient als Grundlage für die langfristige Erhaltung und Nutzung, Forschung und Entwicklung der genetischen Ressourcen im Bereich landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturpflanzen und von verwandten Wildpflanzen in Deutschland.

Von den rund 250.000 bisher bekannten Pflanzenarten auf der Erde sind etwa 30.000 essbar. 7.000 Pflanzenarten werden gegenwärtig weltweit vom Menschen genutzt. Trotz dieser enormen Vielfalt spielen heutzutage für die menschliche Ernährung nur rund 150 Arten eine größere Rolle. Derzeit werden mit gerade einmal 30 Pflanzenarten 95 Prozent des Kalorienbedarfs der Weltbevölkerung erzeugt. Die Ernten der drei wichtigsten Pflanzen Weizen, Reis und Mais decken 50 Prozent des weltweiten Energiebedarfs in der menschlichen Ernährung ab.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in Deutschland. Die deutsche Landwirtschaft nutzt derzeit etwa 25 Marktfrucht- und 35 Futterpflanzenarten. Im Gartenbau werden weitere 70 Gemüse-, 30 Obst- und 70 Heil- und Gewürzpflanzen angebaut. Die Ackerfläche wird jedoch zu rund 75 Prozent von nur fünf Fruchtarten – Weizen, Gerste, Mais, Raps, Roggen - dominiert. Im Anbau befinden sind vorwiegend moderne Zuchtsorten. Landsorten sind mit Ausnahme des Obstes, einiger Gemüse und Getreide kaum mehr vorhanden.

Vor diesem Hintergrund hat das Nationale Fachprogramm folgende Ziele. Es orientiert sich am "Globalen Aktionsplan für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft" der Welternährungsorganisation (FAO) und zielt darauf ab, dort vorgeschlagene Maßnahmen auf nationaler Ebene in geeigneter Weise umzusetzen:

  • die Vielfalt der wildwachsenden und der kultivierten pflanzengenetischen Ressourcen langfristig in wissenschaftlich abgesicherter und kosteneffizienter Weise in situ und ex situ zu erhalten;
  • die Vielfalt pflanzengenetischer Ressourcen durch geeignete Maßnahmen, unter anderem durch Charakterisierung, Evaluierung, Dokumentation und züchterische Erschließung verstärkt nutzbar zu machen;
  • eine größere Vielfalt landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturpflanzenarten und -sorten (einschließlich Zierpflanzen) in Deutschland nachhaltig wirtschaftlich zu nutzen;
  • einen Beitrag zur Erhaltung und Wiederherstellung landwirtschaftlich und gartenbaulich geprägter Ökosysteme einschließlich der obstbaulichen und Grünlandökosysteme zu leisten;
  • mehr Transparenz bei den verteilten Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten von Bund, Ländern und Gemeinden sowie den auf dem Gebiet tätigen Personen, Organisationen und Institutionen bei der Erhaltung und Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen herzustellen und
  • Synergien zu nutzen, die sich aus einer verstärkten Zusammenarbeit auf der nationalen, überstaatlich-regionalen und internationalen Ebene ergeben können und diese zu fördern.

Zur Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bei der Erreichung der im Nationalen Fachprogramm erwähnten Ziele wurde 2002 der Beratungs- und Koordinierungsausschusses für genetische Ressourcen landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturpflanzen (BEKO) eingesetzt.

Darüber hinaus unterstützt das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Durchführung des Nationalen Fachprogramms durch Dokumentations-, Informations-, Beratungs- und Koordinationsdienstleistungen; dazu gehören unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Beratung des BMEL, anderer Ressorts sowie der Bundesländer im Hinblick auf das Programm
  • Führung der Geschäftsstelle des BEKO
  • Führung der zentralen Dokumentation für pflanzengenetische Ressourcen in Deutschland (PGRDEU) als Nationalem Inventar in situ, on farm und ex situ sowie des Bundesinformationssystems Genetische Ressourcen (BIG)
  • Koordination der deutschen Beiträge im Europäischen Kooperationsprogramm zu pflanzengenetischen Ressourcen (ECPGR)
  • Mitwirkung in internationalen Gremien, z.B. bei der FAO und dem Internationalen Vertag für Pflanzengenetische Ressourcen (ITPGR)
  • Bereitstellung nationaler Daten für internationale Informationssysteme beim ECPGR, bei der EU, der FAO, dem ITPGR und der Global Biodiversity Information Facility (GBIF)
  • Koordination von Erhaltungsnetzwerken (unter anderem bei Zierpflanzen)
  • Entwicklung geeigneter Monitoringverfahren und Indikatoren auf nationaler, EU- und globaler Ebene und Bewertung des Zustands und der Veränderung der pflanzengenetischen Ressourcen ex situ, in situ und on farm
  • Erstellen und Verbreiten von Informationsmaterialien und sonstige Öffentlichkeitsarbeit