Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Strategie des BMEL zur Agrobiodiversität

2007 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Agrobiodiversitätsstrategie zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft. Unter dem Titel "Agrobiodiversität erhalten, Potenziale der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft erschließen und nachhaltig nutzen" dient sie als Ergänzung zur Nationalen Biodiversitätsstrategie.

Die Agrobiodiversität ist der Teil der biologischen Vielfalt, der für die Ernährung, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft genutzt wird. Sie umfasst tatsächlich genutzte und potenziell nutzbare Lebewesen in ihrer ganzen genetischen Vielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. Dabei bestehen enge Wechselbeziehungen zwischen den natürlichen, nicht unmittelbar genutzten Bestandteilen von Ökosystemen und der jeweiligen Nutzung durch Land-, Forst- und Fischwirtschaft.

Heutige Kulturlandschaften spiegeln die Agrobiodiversität, da ein Großteil der Fläche des Bundesgebiets - rund 85 Prozent - für Land-, Forst- und auch Fischwirtschaft genutzt werden. Bei den hier genutzten Pflanzen und Tieren ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts ein zunehmender Verlust der biologischen Vielfalt zu verzeichnen.

Um einen signifikanten Beitrag zur Erhaltung der Agrobiodiversität und ihrer nachhaltigen Nutzung durch die Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft zu leisten, werden mit der Strategie vorrangig die folgenden drei handlungsbezogenen Ziele verfolgt:

  • Verbesserung der Voraussetzungen für die langfristige Erhaltung und nachhaltige innovative Nutzbarmachung genetischer Ressourcen für Ernährung, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft als Vorsorgestrategie.
  • Bessere Verbindung von Erhaltung und Nutzung der biologischen Vielfalt als Teil einer Innovationsstrategie für den ländlichen Raum im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung.
  • Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit für ein kooperatives, auf internationale Gerechtigkeit gerichtetes globales Management der biologischen Ressourcenbasis für die Ernährung, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft.

Zu seiner Unterstützung nicht zuletzt auch im Hinblick auf die in der Agrobiodiversitätsstrategie erwähnten Ziele wurde vom BMEL der Beirat für Biodiversität und genetische Ressourcen berufen. Der Beirat hat die Aufgabe, das BMEL bei allgemeinen und grundsätzlichen Fragen der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung genetischer Ressourcen für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Teil der biologischen Vielfalt sowie bei entsprechenden Maßnahmen auf nationaler, EU- und internationaler Ebene, zu beraten.

Darüber hinaus unterstützt das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Umsetzung der Strategie und Durchführung der Nationalen Fachprogramme durch Dokumentations-, Informations-, Beratungs- und Koordinationsdienstleistungen; dazu gehören unter anderem. folgende Maßnahmen:

  • Beratung des BMEL, anderer Ressorts sowie der Bundesländer im Hinblick auf die Agrobiodiversitätsstrategie
  • Führung der Geschäftsstelle des Beirats Biodiversität und genetische Ressourcen
  • Aktualisierung und Weiterentwicklung des Informationssystems Genetische Ressourcen (GENRES) als Informationsplattform landwirtschaftlicher biologischer Vielfalt und somit als deutscher Beitrag zum Clearing-House-Mechanismus der CBD für den Teilbereich der genetischen Ressourcen für Ernährung, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft (www.genres.de)
  • Mitwirkung in internationalen Gremien, zum Beispiel bei der Welternährungsorganisation (FAO)
  • Aufbau und Weiterentwicklung von Datenbanken zu allgemeinen und Querschnittsfragen im Bereich der Agrobiodiversität einschließlich des Zentralregisters biologischer Forschungssammlungen in Deutschland (ZEFOD)
  • Nationale Kontaktstelle zur EU-Verordnung 870/2004
  • Entwicklung geeigneter Monitoringverfahren und Indikatoren auf nationaler, EU- und globaler Ebene und Bewertung des Zustands und der Veränderung der Agrobiodiversität
  • Unterstützung bei der Koordination von Netzwerken (unter anderem in Wissenschaft und Forschung) sowie Mitarbeit in nationalen Gremien, zum Beispiel BMEL-Senatsarbeitsgruppe Biodiversität
  • Erstellen und Verbreiten von Informationsmaterialien und sonstige Öffentlichkeitsarbeit