Tropentag 2026: Multifunktionale Agrar-Ökosysteme für eine klimaresiliente Zukunft
Vom 16. bis 18. September 2026 brachte der diesjährige Tropentag 950 Personen aus 75 Ländern in Göttingen und Online zusammen. Im Zentrum der wissenschaftlichen Konferenz stand die Frage, wie sich die Resilienz land- und forstwirtschaftlicher Landschaften stärken lässt.
Angesichts globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel, dem Verlust biologischer Vielfalt und bewaffneter Konflikte, geraten Agrar- und Ernährungssysteme zunehmend unter Druck. Mit innovativen und praxisnahen Lösungsansätzen kann die internationale Agrarforschung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, ihre Resilienz und Nachhaltigkeit zu stärken.
Der Tropentag ermöglichte den fachübergreifenden Austausch und zeigte Wege für die gemeinschaftliche Gestaltung vielfältiger Landschaften, um so tragfähige Einkommen zu schaffen, eine gesunde Umwelt zu fördern und kulturellen Werten gleichermaßen Raum zu geben. Im Internationalen Jahr der Weidelandschaften und Hirten wurde besonders die Bedeutung der extensiven Wandertierhaltung für eine nachhaltige Nutzung von Ökosystemen und die Sicherung des Lebensunterhalts lokaler Gemeinschaften hervorgehoben.
Die internationale Fachkonferenz bot auch für viele der vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) geförderten internationalen Forschungsprojekte eine gute Gelegenheit, ihre Arbeiten vorzustellen. Die Vorhaben werden mit Beteiligung verschiedener Praxisakteure von deutschen Forschungseinrichtungen gemeinsam mit solchen in Ländern Subsahara-Afrikas, Süd- und Südostasiens umgesetzt. Daneben werden im Rahmen des BMLEH-Doktorandenprogramms gezielt Projekte zur Welternährung an Ressortforschungseinrichtungen des BMLEH und den Leibniz-Instituten gefördert. Die BLE betreut die Vorhaben als Projektträger.
BMLEH-Session rückt Forschung zu gesunder, sicherer und nachhaltiger Ernährung in den Fokus
Im Rahmen der BMLEH-Session stellten drei Projekte innovative Ansätze zur Erhöhung der Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln vor. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden bestehende Hürden und Lösungspfade erörtert.
Äthiopien: Handhabung und Sicherheit von Kamelmilch
Bekele Megersa von der University of Addis Ababa stellte das Projekt SUSCAMI in Äthiopien vor. Es untersucht wie die Handhabung und Lebensmittelsicherheit von Kamelmilch entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbessert werden kann. Durch die Verbindung von lokalem, einheimischem Wissen mit wissenschaftlichen Analysen werden Strategien für eine bessere Kamelfütterung und Gesundheitspflege entwickelt. Die begrenzte Verfügbarkeit von Kühlinfrastruktur und Wasser stellt dabei eine große Herausforderung dar.
Ghana: Ernährungsgewohnheiten und Mykotoxinbelastungen im Körper
Die Belastung von Lebensmitteln mit Mykotoxinen ist eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit. Allerdings fehlen oftmals belastbare Daten dazu, über welche Lebensmittel diese Schimmelpilzgifte in den menschlichen Körper gelangen und wie hoch die Belastung im Körper tatsächlich ist. Hier setzt das Projekt Mycotoxins_Ghana an. Michael Oppong vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte erste Ansätze zur Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Ernährungsgewohnheiten und dem Vorkommen der Toxine im Körper bei ghanaischen Erwachsenen vor. Basierend darauf, sollen passende Aktivitäten zur Risikominimierung und breiten Sensibilisierung der Bevölkerung erarbeitet werden.
Kenia: Reduktion von Pilzbefall und Aflatoxinen in Mais
Mais, ein wichtiges Grundnahrungsmittel im südlichen Afrika, ist regelmäßig und stark mit krebserregenden Pilz-Mykotoxinen wie Aflatoxinen kontaminiert. Katharina Neumeier vom Max Rubner-Institut berichtete vom Projekt SoLFOOD. Im Projekt werden Möglichkeiten entwickelt, toxinbelasteten Mais mittels aerober Fermentation durch spezialisierte Pilzarten wieder für die menschliche Ernährung bereitzustellen. Bei dem entwickelten Verfahren werden Mykotoxine ab- und Mykoproteine aufgebaut. Damit wird aus ehemals gesundheitsschädlichem Mais, eine wertvolle Nahrungsquelle mit verlängerter Haltbarkeit.
Der Austausch in der Session zeigte, wie eng die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt verknüpft ist und wie die Entwicklung von effektiven Strategien zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit einen wichtigen Beitrag für das Wohlergehen aller leistet.
Weitere Informationen
- Tropentag: https://www.tropentag.de/
- Social Media/ Tropentag Blog: https://blog.tropentag.de/
- Internationale Forschungskooperationen zur Welternährung: https://www.ble.de/DE/Projektfoerderung/Foerderungen-Auftraege/Internationale-Forschungszusammenarbeit/Forschungskooperationen-Welternaehrung/forschungskooperationen-welternaehrung_node.html


