Maßnahmen zur umweltschonenden Fischerei und Aquakultur
Die deutsche Seefischerei steht angesichts des kritischen Zustands der Ökosysteme Nord- und Ostsee zunehmend im Fokus politischer und gesellschaftlicher Diskussionen. Die Fischereibetriebe sehen sich mit sinkenden Fischbeständen, damit einhergehenden strengeren Fangquoten sowie einer zunehmenden Ausweisung von Meeresschutzgebieten und Offshore-Windparks mit umfangreichen Beschränkungen der Fischerei konfrontiert. Deshalb unterstützt die BLE als Projektträger das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) bei der Umsetzung von Maßnahmen, die zum Transformationsprozess im Fischereisektor beitragen.
Mit dem Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) schafft die Bundesregierung Voraussetzungen für den Ausbau der Offshore-Windenergie, um Klimaziele zu erreichen und die Energieversorgung auf erneuerbare Quellen umzustellen. Der zunehmende Ausbau führt jedoch zu erheblichen Eingriffen in das marine Ökosystem und verstärkt Nutzungskonflikte, insbesondere mit der Fischerei, die durch den Verlust traditioneller Fanggebiete betroffen ist. Zur Abmilderung dieser Folgen sieht § 58 Abs. 2 WindSeeG finanzielle Mittel für Maßnahmen zur umweltschonenden Fischerei vor. Diese sollen die Transformation der Fischerei hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise unterstützen und die Akzeptanz des Offshore-Ausbaus stärken.
Die vom Bundesministerium eingesetzte Zukunftskommission Fischerei (ZKF) hat in ihrem Abschlussbericht im Jahr 2025 konkrete Empfehlungen für wesentliche Förderansätze vorgelegt. Sie spricht sich unter anderem für die Weiterentwicklung schonender Fangmethoden, die Reduzierung von Beifang und Lebensraumbeeinträchtigungen, sowie die Neubauförderung von wirtschaftlich effizienten, umweltverträglichen und möglichst klimaneutralen Fischereifahrzeugen, aus. Ziel ist es, nachhaltige Fischereipraktiken zu fördern und langfristig zu etablieren.
Entwicklung und Erprobung umweltschonender Fanggeräte und
-methoden
Innovative Fanggeräte und -methoden sind ein wichtiger Ansatzpunkt für eine umweltschonendere und nachhaltigere Seefischerei. Ziel der Förderung ist es, durch technische Entwicklungen die Auswirkungen der Fischerei auf Meeresboden, Wasser, Klima und geschützte Arten deutlich zu verringern. Im Fokus stehen unter anderem die Reduktion von unerwünschtem Beifang, eine höhere Selektivität der Fangtechnik sowie die Verbesserung der Energieeffizienz und des Tierwohls. Gleichzeitig sollen die Vorhaben die Interessen der Fischerei berücksichtigen und zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Branche beitragen.
Gefördert werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die einen innovativen Beitrag zu einer verantwortungsvollen Nutzung mariner Ressourcen leisten. Auch die Potenziale von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz sollen gezielt genutzt werden, etwa für präzisere Fangstrategien, automatisierte Beifangerfassung oder moderne Monitoringlösungen.
Die Förderung gliedert sich in drei Module: Forschung (A; Referat 323), Innovationsförderung (B; Referat 322) und Digitalisierung (C; Referat 326).
Das Einreichen von Initiativskizzen ist derzeit nicht möglich.
Fischereifahrzeuge der Zukunft
Die deutsche Flotte der Küstenfischerei ist aufgrund ihres hohen Durchschnittsalters und der fehlenden Anpassungsfähigkeit an moderne Anforderungen dringend erneuerungsbedürftig. Die ZKF empfiehlt deshalb, dass Deutschland sich im Rahmen der Dekarbonisierung der Fischerei auf EU-Ebene für die Option einer Neubauförderung einsetzt. Dafür sollen klimaneutrale bzw. emissionsreduzierte Konzepte für Fischereifahrzeuge der Zukunft umgesetzt werden, die als Demonstratoren mit entsprechender technologischer und ökonomischer Begleitforschung für eine spätere Serienfertigung dienen können.
Neben der Reduzierung von fossilen Energieträgern bis hin zur vollständigen Dekarbonisierung sollen weitere maßgebliche Ziele umgesetzt werden, bspw. die Diversifizierung der Fischerei durch Einsatzmöglichkeiten für verschiedene fischereiliche und fischereinahe Tätigkeiten, die Wirtschaftlichkeit der Anschaffung und des Betriebs der Fischereifahrzeuge, sowie weitere Verbesserungen, z. B. der Arbeits- und Lebensverhältnisse an Bord, der Potenziale der Digitalisierung und der umweltgerechten Ausgestaltung der Fischerei.
Das Einreichen von Initiativskizzen ist derzeit nicht möglich.
Verbundprojekte zum Thema "Marine Aquakultur"
Mit innovativen Ansätzen zur CO2-Bindung, umweltfreundlichen Produktionssystemen und nachhaltigen Muschelkulturen wird eine klima- und umweltschonende Aquakultur in deutschen Küstengewässern unterstützt. Die folgenden drei Forschungs- und Entwicklungsprojekte werden über das Innovationsprogramm des BMLEH gefördert und aus Mitteln des WindSeeG finanziert:
Seegraspflanzen schützen Klima und Lebensräume
Seegras kann CO2 binden und die Wasserqualität verbessern. Darüber hinaus spielen Seegraswiesen eine zentrale Rolle im Ökosystem Meer, da sie wichtige Lebensräume für viele Meereslebewesen bieten und unsere Küsten vor Erosion schützen. Seit November 2024 arbeiten die Verbundpartner ZosteraTec UG und die A.H. Meyer Maschinenfabrik GmbH gemeinsam im Projekt TeSSa an der Entwicklung und Erprobung einer umweltgerechten, betriebswirtschaftlich rentablen Aquakultur-Technologie zur Gewinnung von Seegraspflanzen und ‑saatgut der Art Zostera marina zur Aufforstung von Seegraswiesen.
Mit biologisch abbaubarem Saatleinen Plastikmüll reduzieren
Durch die übliche Verwendung von Kunststoffleinen in der Aquakultur entsteht Plastikmüll, da diese nicht für die Wiederverwendung geeignet sind – ein zusätzlicher Arbeitsaufwand und Kostenfaktor in der Aquakultur. Die Verbundpartner Kieler Meeresfarm GmbH & Co. KG und das Sächsische Textilforschungsinstitut e.V. entwickeln in dem im Februar 2025 gestarteten Verbundprojekt baSal daher eine innovative Alternative – biologisch abbaubares Saatleinen für die (Makro-)Algenzucht. Darüber hinaus wird eine angepasste Aufzuchttechnologie in offener, mariner, küstennaher Aquakultur erarbeitet.
Nachhaltige Muschelkultivierung auch an deutschen Küsten
Welche Voraussetzungen muss der in Neuseeland bereits eingesetzte Shellfish-Tower erfüllen, um eine erfolgreiche Offshore-Muschelaufzucht in Deutschland zu realisieren? Dieser Frage gehen seit Januar 2025 die Blue C GmbH, die Technische Universität Braunschweig, das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung sowie die Fibretech Composites GmbH gemeinsam im Verbundprojekt MUSCHEL nach. Mit dem an die speziellen Anforderungen der deutschen Küsten anzupassenden und optimierenden Aquakultursystem soll der weiterentwickelte Shellfish-Tower eine nachhaltige Muschelkulturwirtschaft in deutschen Gewässern ermöglichen.


