Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Eiweißpflanzenstrategie

Mit der Eiweißpflanzenstrategie (EPS) fördert das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) seit 2012 den Anbau und die Verwertung von Leguminosen (Hülsenfrüchten) als heimisch erzeugte pflanzliche Proteine. Die zugehörige Geschäftsstelle bei der BLE wird seit 2024 auf Beschluss des Bundestages zum "Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft" weiterentwickelt. Es ist zuständig für die Koordination und Umsetzung der Eiweißpflanzenstrategie in den Bereichen Forschung und Entwicklung, modellhafte Demonstrationsnetzwerke, Wissenstransfer und Beratung des BMLEH.

Ziele und Entwicklung der Strategie

Vor dem Hintergrund eines stark rückläufigen Leguminosenanbaus in Deutschland hat das BMLEH Ende 2012 die Eiweißpflanzenstrategie veröffentlicht. Ziel der Strategie ist die Ausdehnung des Anbaus und der Verwertung von Eiweißpflanzen in Deutschland:

  • Produktion heimischer Leguminosen steigern und Angebot / Nachfrage verbessern,
  • Eiweißversorgung für Mensch und Tier aus heimischer Produktion und mit gentechnisch nicht veränderten Eiweißträgern erhöhen,
  • regionale Wertschöpfungsketten stärken,
  • Ökosystemleistungen und Ressourcenschutz positiv beeinflussen.

Wintererbsen und Triticale Wintererbsen und Triticale Quelle: Jürgen Heß, Universität Kassel

Insgesamt soll die Wettbewerbsfähigkeit der heimisch erzeugten Leguminosen gestärkt werden. Die Strategie ist gleichermaßen auf den konventionellen wie den ökologischen Anbau ausgerichtet.

Der Anbauumfang von Leguminosen nimmt seit 2014 wieder zu. 2025 nehmen Hülsenfrüchte zur Körnergewinnung (vor allem Erbsen, Ackerbohnen, Soja, Lupinen) eine Anbaufläche von ca. 300.000 Hektar und damit 2,6 Prozent der Ackerfläche ein. Hinzu kommen ca. 390.000 Hektar Leguminosen zur Ganzpflanzenernte wie Klee und Luzerne. Insgesamt werden damit im Jahr 2025 auf 5,9 Prozent der Ackerfläche Leguminosen angebaut. 2012 waren es 3 %.

Zu dieser positiven Entwicklung haben unter anderem die Maßnahmen der Eiweißpflanzenstrategie beigetragen. Die Eiweißpflanzenstrategie wird seit Anfang 2024 begleitet durch einen Stakeholderprozess zu einer ganzheitlichen Proteinstrategie über die Leguminosen hinaus weiterentwickelt.

Alleskönner Leguminosen

Leguminosen und ihre Ökosystemleistungen sind ein wichtiger Baustein einer nachhaltigen Landwirtschaft. Ihr besonderes Merkmal: Erbsen, Linsen, Bohnen, Soja, aber auch kleinkörnige Leguminosen wie Klee und Luzerne sind in der Lage, Luftstickstoff (N) zu binden. Das gelingt in Symbiose mit Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln, den sogenannten Rhizobien. Somit lassen sich über Leguminosen in der Fruchtfolge N-Düngemittel einsparen. Sie lockern Fruchtfolgen auf, erhöhen das Bestäuberangebot und tragen zu Bodenfruchtbarkeit und Humusbildung bei.

Leguminosen erzeugen hochwertiges Eiweiß in der Pflanze, das sowohl für die menschliche Ernährung als auch für Tierfutter verwendet wird. In der veganen und vegetarischen Ernährung sind Hülsenfrüchte ein wichtiger Baustein. In der Tierernährung nimmt die Forderung nach gentechnikfreien Eiweißträgern, die möglichst regional und entwaldungsfrei produziert wurden, zu.

Umsetzung der Eiweißpflanzenstrategie in der BLE

Der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wurden 2012 die Koordinierungs- und Durchführungsaufgaben für Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten, Wissenstransfer und Beratung des BMLEH übertragen. Zudem koordiniert die BLE je eine Multi-Stakeholder-Dialogplattform zur nachhaltigeren Tierfütterung und Humanernährung. Die Umsetzung der Aufgaben erfolgte zunächst durch die Geschäftsstelle Eiweißpflanzenstrategie. Seit 2024 werden diese nun vom "Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft" fortgeführt. 

Von Beginn an wurden die Maßnahmen der EPS durch das BMLEH finanziell gefördert, seit 2014 über den Titel: "Zuschüsse zur Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung mit pflanzlichen Eiweißen heimischer Produktion". Mit dem Haushaltsjahr 2025 wird der Titel umbenannt in "Proteine der Zukunft mit Chancenprogramm Höfe".

Durch die Weiterentwicklung zum Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft werden seit 2024 neben den Leguminosen weitere pflanzliche Proteinquellen wie zum Beispiel Nüsse, aber auch Algen und Pilze sowie innovative Verarbeitungsverfahren (fermentiert und zellbasiert) in den Blick genommen.

Um Landwirtinnen und Landwirten Anreize zu bieten, Leguminosen und weitere eiweißliefernde Pflanzen anzubauen und zu nutzen und um deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, kommt ein Bündel von Maßnahmen zum Einsatz:

a) Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (FuE)

Über die Förderung von FuE-Vorhaben werden Innovationen angeregt. Neue Erkenntnisse in Anbau und Verwertung stärken die Wettbewerbsfähigkeit der Leguminosen. Schwerpunkte der Forschungsförderung lagen bisher in den Bereichen Züchtung, Anbau, Aufbereitung, Fütterung, Lebensmittel und Ökosystemleistungen sowie Beiträgen zum Klimaschutz. Erkenntnisse aus FuE-Vorhaben werden unter anderem über modellhafte Demonstrationsnetzwerke in der Praxis erprobt und verbreitet.

b) Modellhafte Demonstrationsnetzwerke

Die modellhaften Demonstrationsnetzwerke der EPS zielen darauf ab, den Wissenstransfer innerhalb der Praxis sowie zwischen Praxis, Wissenschaft und Beratung zu intensivieren: zu Fragen rund um Anbau, Verwertung und Vermarktung von Leguminosen. Für die grobkörnigen Leguminosenarten Soja, Lupine, Erbse/ Ackerbohne sowie für kleinkörnige Leguminosen (Klee, Luzerne) wurden bundesweite kulturspezifische Demonstrationsnetzwerke mit konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben eingerichtet, die inzwischen nach je 5-6 Jahren Förderung geendet sind. Mehr Informationen gibt es unten in der Tabbox.

Aktuell läuft das 2022 gestartete kulturartenübergreifende Netzwerk zu grobkörnigen Leguminosen "LeguNet". Das Netzwerk bündelt alle grobkörnigen Leguminosen und baut auf den Erkenntnissen der vorausgegangenen kulturspezifischen Netzwerke auf. Ein Schwerpunkt liegt in der Vernetzung der Marktakteure. Unter www.legunet.de finden Sie eine Vielzahl an Informationen zum Thema.

Informationen zu allen Forschungsaktivitäten im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie können in der Projektdatenbank recherchiert werden: Projektsuche.

c) Dialogforum Nachhaltigere Eiweißfuttermittel (FONEI)

Das Dialogforum nachhaltigere Eiweißfuttermittel (FONEI) ist ein Zusammenschluss von Akteuren entlang der Wertschöpfungskette für Eiweißfuttermittel. Die Mitglieder eint das Ziel, die Transparenz in der Lieferkette zu erhöhen und Futterrationen insgesamt nachhaltiger zu gestalten. Das FONEI besteht seit 2014 und wird seit 2018 von der BLE koordiniert. Es korrespondiert mit der Eiweißpflanzenstrategie und thematisiert die Schnittstelle zwischen zwei Aufträgen – der Förderung des heimischen Leguminosenanbaus und der Unterstützung von Initiativen für nachhaltige, entwaldungsfreie Soja-Lieferketten. Mehr dazu unter www.eiweissforum.de. Die Koordinationsstelle des FONEI erreichen Sie per E-Mail über fonei@ble.de.

d) Dialogforum "Proteine der Zukunft auf den Teller"

Das Forum "Proteine der Zukunft auf den Teller" ist im November 2024 in Frankfurt a. M. gestartet. Es bietet eine vertrauliche Plattform für Akteure entlang der Wertschöpfungskette für alternative Proteine in der Humanernährung. Teilnehmende können sich über Fach- und Branchengrenzen hinweg vernetzen, gemeinsam Ideen entwickeln und sich mit der Wissenschaft und Bundesbehörden austauschen. Die Koordinationsstelle des Forums erreichen Sie per E-Mail über: ForumHuPro@ble.de.

e) Wissenstransfer, Newsletter

Sowohl in den FuE-Vorhaben als auch über die Demonstrationsnetzwerke wird Wissen zu Anbau und Verwertung von Leguminosen aufbereitet und über verschiedene Kanäle an die Zielgruppen gebracht. Dies sind beispielsweise Feldtage, Internetseiten, Fachartikel, Seminare und Fachveranstaltungen, Videos oder Podcasts.

Auf den Seiten des BLE-Medienservice stehen Ihnen ebenfalls vielfältige Fachinformationen kostenfrei zur Verfügung, wie zum Beispiel Unterrichtsbausteine zu Leguminosen für Berufsschulen oder Broschüren rund um Anbau und Verwertung.

Vom 7. bis 10. Oktober 2024 hat die BLE in Leipzig den 2. Nationalen Leguminosen-Kongress in Zusammenarbeit mit der Deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA) ausgerichtet. Der Kongress wurde durch eine visuelle Dokumentation (Graphic Recording) begleitet.

Gerne informieren wir Sie in unserem kostenlosen Newsletter über Bekanntmachungen, Termine und Neuigkeiten bei der Umsetzung der Eiweißpflanzenstrategie und über Aktivitäten des Kompetenzzentrums Proteine der Zukunft: Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Zum Thema

Projektförderung, Vorlagen

Links

Archiv

Kontakt