Kathrin Neubeck, Leiterin für Forschung und Züchtung auf dem Dottenfelderhof, kontrolliert den Speisemais.
Quelle: Gesche Jäger
Das Potenzial von Speisemais auf heimischen Feldern
Cornflakes, Gebäck oder Polenta-Grieß – Speisemais ist in der Küche vielfältig einsetzbar, aber auf deutschen Feldern nur selten zu finden. Welches Potenzial steckt hier für die hiesige Landwirtschaft? Welche Anforderungen stellen die verschiedenen Speisemaissorten an den Ackerbau?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich Forschende der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der Forschung & Entwicklung Dottenfelderhof (FZD) im dreijährigen Projekt "Speise-MaisQual". Dieses förderte das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL). Neben einem Anforderungsprofil für den Anbau entstand ein Schnelltest für die Bestimmung der Grießausbeute, einem wichtigen Qualitätsmerkmal beim Speisemaisanbau.
Der Anbau von Speisemais spielt in Deutschland bisher eine untergeordnete Rolle. Größere Mengen des Rohstoffs werden derzeit importiert, obwohl hierzulande viele Regionen grundsätzlich gute Voraussetzungen haben. Bisher fehlt es vor allem am nötigen Sortenwissen für die Speisemaiserzeugung.
Neuer Schnelltest zur Bestimmung der Grießausbeute
Grundsätzlich unterscheidet sich der Anbau von Speisemais nicht vom Körnermaisanbau für die Fütterung. Um aber die gewünschten Qualitäten für die Verarbeitung zu Lebensmitteln zu erreichen, ist die richtige Sortenwahl entscheidend. Neben den üblichen erwünschten Merkmalen beim Anbau, wie zügiges Wachstum und gute Unkrautunterdrückung, ist bei Speiseware eine geringe Anfälligkeit gegenüber Pilzerkrankungen wichtig, da hier strengere Grenzwerte für Schimmelpilzgifte gelten. Zudem erwies sich im Projekt die Grießausbeute als zentrales Merkmal für die Verarbeitungsqualität.
Um eine einfache Prognose für die Grießausbeute einer Sorte treffen zu können, entwickelten die Forschenden einen Schnelltest auf Basis von Messgeräten mit nahinfrarotem Licht (NIRS/NIT). Damit kann die potenzielle Grießausbeute erstmals ohne Vermahlung am ganzen Korn schnell, preiswert und einheitlich ermittelt werden. Die Messmethode eröffnet neue Möglichkeiten für die Sortenprüfung, Züchtung und Qualitätssicherung.
Qualität versus Quantität: Maispopulationen mit bestem Resultat
Insgesamt prüften die Forscherteams 90 verfügbare Speisemaissorten. Darunter waren aktuelle Hybridsorten, historische Landsorten und nachbaufähige Populationen. Bei den Untersuchungen zeigte sich in Bezug auf Ertrag und Inhaltsstoffe ein klarer Zielkonflikt: Hohe Erträge waren verbunden mit geringen Gehalten an erwünschten, physiologisch wertvollen Nährstoffen, beispielsweise dem Grießgehalt.
Die Hybridsorten erzielten die höchsten Körnererträge bei sehr niedrigen Gehalten an wertvollen Inhaltsstoffen und geringerer Grießausbeute. Dagegen überzeugten die untersuchten Landsorten mit hohen Gehalten an Proteinen, essenziellen Aminosäuren, Mineralstoffen und hoher Grießausbeute. Ertraglich schnitten sie allerdings deutlich schlechter ab. Die geprüften Populationen reihten sich bei Ertrag, Grießausbeute und Inhaltsstoffen zwischen Hybrid- und Landsorten ein.
Das Forscherteam sieht aufgrund der Ergebnisse durchaus Potenzial für den Anbau von Speisemais in Deutschland. Mit einer zielgerichteten Sortenauswahl, Züchtungsarbeit und dem Ausbau der Verarbeitung kann Speisemais nach Einschätzung der Fachleute eine interessante Alternative für deutsche Betriebe sein, insbesondere im Ökolandbau.
Weitere Informationen zum Projekt unter www.ble.de/speisemais