Tropentag 2025 in Bonn – Landnutzung und planetare Gesundheit in Einklang bringen
Zwischen dem 10. bis 12. September 2025 brachte der diesjährige Tropentag über 900 Personen aus 62 Ländern in Bonn und Online zusammen. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Konferenz stand die Frage, wie sich landwirtschaftliche Systeme an globale Herausforderungen anpassen können.
Dabei müssen nachhaltige Landnutzungssysteme sowohl die Gesundheit der Menschen als auch die Gesundheit des Planeten ("Planetary Health") im Blick haben.
Um passende Lösungen für die vielschichtigen Herausforderungen – Landdegradation, Klimawandel, bewaffnete Konflikte und Krisen – vor denen Agrar- und Ernährungssysteme weltweit stehen, zu finden, nimmt die Agrarforschung eine zentrale Rolle ein. Die vorgestellten Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass ein besonderes Augenmerk auf Geschlechtergerechtigkeit und die Teilhabe aller gelegt werden muss. Außerdem sind innovative Praktiken, wissensbasierte Entscheidungsfindung und beteiligungsorientierte Regierungsführung entscheidend für widerstandsfähige und nachhaltige Agrarlandschaften.
Die internationale Fachkonferenz für entwicklungsorientierte, trans- und interdisziplinäre Agrarforschung und ländliche Entwicklung im Globalen Süden bot auch für viele der vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) geförderten internationalen Forschungsprojekte eine gute Gelegenheit, ihre Arbeiten vorzustellen. Die Vorhaben werden gemeinsam von deutschen Forschungseinrichtungen und solchen in Ländern Subsahara-Afrikas, Süd- und Südostasiens umgesetzt und verschiedene Praxisakteure einbezogen. Daneben werden im Rahmen des BMLEH Doktorandenprogramms gezielt Projekte zur Welternährung an Ressortforschungseinrichtungen und den Leibniz-Instituten des BMLEH gefördert. Die BLE betreut die Vorhaben als Projektträger.
Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt in Zeiten von Krisen: BMLEH Session beleuchtet Wege zur Stärkung lokaler Ernährungssysteme
Die BMLEH-Session rückte Vorhaben des BMLEH Doktorandenprogramms zum Thema "One Health in Ernährungssystemen" in den Fokus. Im Rahmen des entsprechenden Forschungsaufrufs von 2022 werden aktuell fünf Projekte gefördert. Drei von ihnen stellten ihre Forschungsansätze vor, um den Auswirkungen von unterschiedlichen Krisen mit geeigneten Anpassungsstrategien zu begegnen. Die präsentierten Ergebnisse zeigen Möglichkeiten auf, wie die lokale Ernährung verbessert und Resilienz gestärkt werden können.
Globale Zusammenhänge sichtbar machen
Zunächst berichtete Mawussi Kossivi Soviadan vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) über Analysen zu den Auswirkungen der COVID-19 Pandemie und des russischen Krieges in der Ukraine auf den globalen Agrarrohstoffhandel und die Ernährungssicherheit in Subsahara-Afrika. Die Analysen im Rahmen des Projekts "ICRAFS" zeigten, dass solche Schocks zwar zu einem deutlichen Anstieg der Lebensmittelpreise in den Ländern der Subsahara-Region geführt haben, diese langfristig aber abgefedert werden können. Proaktive, anpassungsfähige und innovative Strategien sind wichtig, um die Widerstandsfähigkeit des Agrarhandels und der Lebensmittelversorgung gegenüber künftigen Krisen zu stärken. Dazu gehören Katastrophenvorsorge durch Lebensmittellagersysteme, schnelle Hilfsgüterverteilung und effektives Krisenmanagement. Auf Betriebsebene stärken klimaangepasste Produktionsweisen (Climate-Smart Farming Practices) die Widerstandskraft lokaler Produktionssysteme und damit die Ernährungssicherheit.
Modulare Solartrockner für die Verarbeitung von Gemüse
Für ein aktives und gesundes Leben, sind sichere, ausreichend verfügbare und nahrhafte Lebensmittel erforderlich. Obwohl im ländlichen Kenia viele Nahrungsmittel produziert werden, stellen fehlende Verarbeitungsmöglichkeiten eine große Herausforderung dar. Insbesondere aufgrund fehlender zentraler Stromnetze, sind lokal angepasste und stromunabhängige Systeme gefragt. Vor diesem Hintergrund stellte Mulugeta Admasu Delele die Arbeiten des Promotionsstudenten John Mulwa Ndisya vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e. V. (ATB) im Rahmen des Projekts "REFS" vor. Unter Einbindung der lokalen Bevölkerung wird im Projekt ein modularer Solartrockner für die Gemüseverarbeitung weiter optimiert. So sollen die Nahrungsmittel nährstoffschonend verarbeitet und deren ganzjährige Verfügbarkeit für eine gesunde Ernährung verbessert werden.
Ernährungssysteme mit "Vernachlässigten Arten" bereichern
Zunehmende Trockenperioden und Dürren stellen die vom Regen abhängige Landwirtschaft in Tansania vor große Herausforderungen. Dabei bergen die oftmals weniger beachteten, aber trockenresistenten heimischen Nutzpflanzen, wie z.B. Hirse große Potenziale, um die lokale Ernährung gesünder zu gestalten und klimaangepasste Ernährungssysteme zu etablieren. Prisca-Elifuraha Kimaro vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) berichtete über das Projekt "Or-Crop". Es untersucht die Rolle von vernachlässigten einheimischen Nutzpflanzen als soziokulturell passende und ökologisch nachhaltige Anbaualternative und evaluiert die Bereitschaft der Landwirtinnen und Landwirte diese verstärkt anzubauen. Für den Erfolg und langfristige Integration von Hirse spielt insbesondere die Rentabilität entlang der Wertschöpfungskette eine entscheidende Rolle.
Der Austausch in der Session illustrierte die Vielfalt der möglichen Ansätze, die Widerstandskraft lokaler Ernährungssysteme gesundheitsförderlich zu verbessern. Komplexe Krisensituationen müssen systemorientiert betrachtet werden, damit unterschiedliche Anpassungsstrategien erfolgreich ineinandergreifen können. Die lokale Bevölkerung aktiv einzubinden und kulturelle Aspekte zu berücksichtigen ist dabei unerlässlich, um langfristigen Erfolg von Lösungsstrategien zu erzielen.
BMLEH Workshop: Verzahnung von Politikempfehlungen des Welternährungsausschusses (CFS) mit Forschung verbessern
Mit der Vision, die schrittweise Verwirklichung des Rechts auf angemessene Ernährung für alle zu fördern, ist der zwischenstaatliche Welternährungsausschuss der Vereinten Nationen (CFS) das wichtigste Gremium zur Ernährungssicherheit auf internationaler Ebene. Der CFS erarbeitet in partizipativen Entscheidungsprozessen mit Regierungsvertretenden, multilateralen Organisationen sowie privatwirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren einschlägige Normen und Freiwillige Leitlinien.
Die Teilnehmenden des Workshops diskutierten anhand des Beispiels der "Freiwilligen Leitlinien zur Gleichstellung der Geschlechter und zur Stärkung der Rolle von Frauen und Mädchen im Kontext von Ernährungssicherheit" des CFS und stellten die Chancen heraus, ernährungsbezogene Forschung stärker an diese Politikprodukte anzuknüpfen und so relevante Wissenslücken zu schließen.
Weitere Informationen
- Tropentag: https://www.tropentag.de/
- Social Media/ Tropentag Blog: https://blog.tropentag.de/
- Internationale Forschungskooperationen zur Welternährung: https://www.ble.de/DE/Projektfoerderung/Foerderungen-Auftraege/Internationale-Forschungszusammenarbeit/Forschungskooperationen-Welternaehrung/forschungskooperationen-welternaehrung_node.html
- Recht auf Nahrung: https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/recht-auf-nahrung.pdf?__blob=publicationFile




