Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Personengruppe in Scheune vor einem Traktor Praxistag Wirtschaftsdünger Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Wie Landwirtinnen und Landwirte mehr aus ihrer Gülle machen können

"Praxistag: Wirtschaftsdünger effizient nutzen" – Verfahren mit besserer Nährstoffausnutzung, weniger Emissionen und mehr Gewässerschutz vorgestellt. Großes Interesse an der von drei BLE-Förderprojekten organisierten Veranstaltung.

Die in Wirtschaftsdüngern enthaltenen Nährstoffe größtmöglich zu nutzen ist für Betriebe nicht nur ökonomisch obligatorisch – es ist auch ökologisch wichtig. Die Veranstaltung "Wirtschaftsdünger effizient nutzen – Praxis und Perspektiven" der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) beleuchtete aktuelle Entwicklungen, praxisnahe Lösungsansätze und zukünftige Handlungsfelder rund um die organische Düngung in der Landwirtschaft.

Organisiert wurde der abwechslungsreiche Tag mit rund 100 Besuchenden von den Koordinatoren der drei Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Säure+ im Feld, SlurryUpgrade und MuD-NIRS, die im Rahmen der Ackerbaustrategie 2035 vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) über den Projektträger BLE gefördert werden. Nach einer kurzen Vorstellung der MuD folgten Fachvorträge sowie Einblicke in laufende Praxisdemonstrationen.

Im Fokus standen Effizienzsteigerung, Emissionsminderung und Gewässerschutz – denn besonders in Wasserschutzgebieten stellen strenge Vorgaben Landwirtinnen und Landwirte vor Herausforderungen. Durch Fachvorträge, Versuchsbesichtigungen im Feld mit Praxisdemonstrationen und einer moderierten Austauschrunde zwischen Praktikern, die am Modellvorhaben teilnehmen, und Interessierten zeigte die LWK praxisorientierte Lösungen für ein zukunftsfähiges Wirtschaftsdüngermanagement auf.

Aufbereitung flüssiger Wirtschaftsdünger

Das MuD SlurryUpgrade befasst sich mit der Effizienzsteigerung im Wirtschaftsdüngermanagement, bei der vor allem die Aufbereitung flüssiger Wirtschaftsdünger im Fokus steht. "Die Aufbereitung vereinfacht es, Nährstoffe genau an dem Ort und in dem Maße einzusetzen, wo sie gebraucht werden", betonte Christin Meyer, eine der Projektverantwortlichen. Besonders im Fokus standen Technologien wie die Separation, die bereits mit einfachen Mitteln Fließeigenschaften und Düngeeigenschaften positiv beeinflussen. Durch das Entstehen der festen Phase könne insbesondere Phosphor gezielter in Gebiete mit P-Bedarf verbracht werden. 

Weniger Emissionen mit Säure

Beim MuD Säure+ im Feld liegt der Fokus auf der Effizienzsteigerung des Wirtschaftsdüngers durch die Reduktion von Ammoniakemissionen. Hier wird der Wirtschaftsdünger während der Ausbringung in stehende Bestände mit konzentrierter Schwefelsäure angesäuert. Die Säure verschiebt das pH- und temperaturabhängige Gleichgewicht von Ammonium und Ammoniak im Dünger vermehrt zum Ammonium. Im Rahmen von begleitenden On-Farm-Versuchen wird bereits im dritten Projektjahr das Potential der Ansäuerung unter Praxisbedingungen getestet. "In 80 Prozent der Versuche konnten wir bereits positive Effekte auf den Ertrag in der Variante mit Säure feststellen. Im letzten Jahr gab es sogar signifikant positive Effekte auf Ertrag und Proteingehalt", berichtete Kristin Böning, Regionalkoordinatorin im Projekt. 

Erfassung von Nährstoffgehalten

Im Projekt MuD NIRS spielt die präzise Online-Ermittlung von Nährstoffgehalten eine zentrale Rolle. Durch den Einsatz von NIRS-Technik (Nahinfrarotspektroskopie) können die Nährstoffgehalte von Gülle während der Ausbringung in Echtzeit erfasst werden. "Eine exakte Nährstoffermittlung ist entscheidend für eine bedarfsgerechte organische Düngung und kann daher als praktizierter Wasserschutz angesehen werden", erklärte Harm Drücker, Leiter des Fachbereichs Landtechnik, Energie, Bauen, Immissionsschutz. Die Ergebnisse zeigen, dass NIRS-Sensoren insbesondere bei Trockensubstanzgehalt, Gesamtstickstoff und bei Mastschweinegüllen eine hohe Genauigkeit liefern. Größere Abweichungen bestehen bei Phosphor und Sauengülle. Dennoch ermöglicht NIRS, natürliche Schwankungen bei der Ausbringung besser zu berücksichtigen. Die Technik ergänzt damit bestehende Methoden sinnvoll und verbessert die Effizienz im Nährstoffeinsatz – ein Fortschritt für Umwelt und Pflanzenbau.

Fazit: Effizientes Wirtschaftsdüngermanagement erhöht die Nährstoffausnutzung, schützt Böden und Gewässer – und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz.

Erscheinungsdatum: 28.05.2025