Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Nahaufnahme: Maispflanze mit wenigen intakten Körnern, Rest abgestorben Tropentag 2026 - Projekt SolFOOD Mit Schimmelpilz kontaminierter Mais auf einem Feld in Kenia Quelle: SolFOOD

Welternährungstag am 16. Oktober: Mit Forschung gegen Schimmelgifte und Ernteverluste

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stellt 2026 beim Motto des Welternährungstages am 16. Oktober "Innovate today. Nourish tomorrow" Innovation als Voraussetzung für die Ernährungssicherheit der Zukunft in den Mittelpunkt.

Gemeint sind dabei nicht nur neue Technologien, sondern auch das Wissen von Landwirtinnen und Landwirten, traditionelle Verfahren und die Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Das Projekt SoLFOOD verbindet die Elemente moderne Forschung, praktische Erfahrungen aus der Landwirtschaft und den Austausch zwischen Kenia und Deutschland. Die BLE betreut als Projektträger das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) geförderte dreijährige Forschungsprojekt.

Im Mittelpunkt steht dabei Mais, ein Lebensmittel, das für Millionen Menschen in Kenia zum Alltag gehört. Deutsche Forschungseinrichtungen arbeiten eng mit kenianischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Organisationen der Landwirtschaft und Kleinbauern zusammen, um die Maisproduktion sicherer, nachhaltiger und widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

Wenn Wärme und Feuchtigkeit zum Gesundheitsproblem werden

Hohe Temperaturen und feuchte Bedingungen begünstigen das Wachstum von Schimmelpilzen. Einige dieser Pilze bilden sogenannte Mykotoxine – natürliche Giftstoffe, die für Mensch und Tier gesundheitsschädlich sein können.

Besonders problematisch sind Aflatoxine. Sie sind thermostabil, werden also durch Hitze beim Kochen oder Backen kaum zerstört. Aflatoxine, insbesondere Aflatoxin B1, sind hochgiftig und stark krebserregend. Sie greifen bevorzugt die Leber an. Akute Vergiftung, dieso genannte Aflatoxinose, zeigt sich durch Leberversagen, Gelbsucht, Erbrechen und Bauchschmerzen Eine langfristige Aufnahme kann zu Wachstumsverzögerungen bei Kindern sowie Immunschwäche führen und das Risiko für Leberkrebs erhöhen.

Hinzu kommt: Wenn Mais nach der Ernte durch Schimmel unbrauchbar wird, geht nicht nur wertvolle Nahrung verloren. Für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bedeutet dies zugleich einen erheblichen wirtschaftlichen Verlust.

Die Ansatzpunkte des Projekts SolFOOD

SoLFOOD will an mehreren Stellen ansetzen – vom Boden und der Pflanze über den Anbau und die Ernte bis hin zur Lagerung und Weiterverarbeitung. Untersucht werden unter anderem Maissorten, die von Natur aus widerstandsfähiger gegen Pilzbefall sind, sowie natürliche Methoden, die Pflanzen schützen und die Bodenqualität verbessern können. Außerdem wird untersucht, wie mit Aflatoxinen belasteter Mais biologisch entgiftet und wieder nutzbar gemacht werden kann.

Entgifteter Mais als Bodenverbesserungsmittel

Im Rahmen des SoLFOOD-Projekts werden spezialisierte Pilzstämme erforscht und ausgewählt, die in der Lage sind, Aflatoxine in bereits kontaminiertem Mais abzubauen. Der entgiftete Mais kann dann als organisches Bodenverbesserungsmittel beziehungsweise Pflanzenstärkungsmittel genutzt und in den Boden eingearbeitet werden.

Vom gesundheitsschädlichen Rohstoff zum wertvollen Lebensmittel

Alternativ wird ein anderer spezialisierter Pilz für eine aerobe Fermentation kontaminierten Maises eingesetzt. Nach Abschluss der Fermentation entsteht ein festes Produkt mit einer Konsistenz, die an Tempeh erinnert. Dieses Produkt weist nicht nur eine deutlich reduzierte Aflatoxinbelastung auf, sondern enthält zusätzlich wertvolle Mykoproteine und besitzt eine verbesserte Haltbarkeit. Mykoproteine liefern essenzielle Aminosäuren, sind fettarm, cholesterinfrei und reich an Ballaststoffen. Auf diese Weise könnte aus einem zuvor gesundheitsgefährdenden Rohstoff ein hochwertiges und nährstoffreiches Lebensmittel entstehen.

In der praktischen Umsetzung dieser Erkenntnisse liegt ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial. Insbesondere die Kombination aus biologischer Entgiftung und der Umwandlung eines belasteten Rohstoffs zu einem Pflanzenstärkungsmittel oder einem proteinreichen Lebens- oder Futtermittel stellt einen hochinnovativen Ansatz dar.

Warum das auch für Deutschland und Europa wichtig ist

Auf den ersten Blick scheint die Frage nach Schimmelpilzen im kenianischen Mais weit entfernt von unserem Alltag zu sein. Doch die Herausforderungen sind global. Mais ist auch für Deutschland ein zentrales Futtermittel und wird auf etwa einem Fünftel der Ackerflächen Deutschlands angebaut.

Der Klimawandel verändert auch bei in Deutschland die Bedingungen für die Landwirtschaft: steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Wetterextreme können Pflanzen anfälliger für Krankheiten und Schädlinge machen und Ernteverluste erhöhen.

Ernährungssysteme müssen daher widerstandsfähiger werden. Während also die konkreten Probleme und Anbaubedingungen in Kenia andere sind als in Deutschland, verbindet beide Regionen eine gemeinsame Herausforderung: Wie entwickeln wir Ernährungssysteme, die auch in Zukunft ausreichend Lebensmittel liefern – und dabei sicher, nachhaltig und möglichst ressourcenschonend sind? 

Hintergrund: Internationale Forschung zur Welternährung

Das BMLEH fördert internationale Forschungszusammenarbeit sowie weitere Projekte im Bereich Welternährung. Ziel ist es, durch Forschungskooperationen zwischen deutschen Forschungseinrichtungen und solchen in Subsahara-Afrika sowie Süd- und Südostasien, bedarfsorientierte Erkenntnisse und Lösungsansätze zu erarbeiten. Zudem sollen die interregionale Zusammenarbeit und der länderübergreifende Wissensaustausch die Entwicklung wissenschaftlicher Netzwerke stärken, langfristige Partnerschaften etablieren und einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Kapazitäten vor Ort (Capacity Development) leisten.

Grundlegend ist dabei die Anwendung partizipativer, praxis- und anwendungsorientierter sowie inter- und transdisziplinärer Forschungsansätze. Der Projektträger BLE ist dabei im Auftrag des BMLEH für die administrative Bearbeitung und fachliche Begleitung der internationalen Forschungsprojekte verantwortlich.

Mehr zum Welternährungstag 2026 auf der Website der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) (in engl. Sprache, deutsche Übersetzung verfügbar)

Erscheinungsdatum: 13.10.2026