Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Grafik einer Weltkarte mit Icons, die eine Lieferkette andeuten Lieferkette Quelle: Tatianazaerts/ iStock/ Getty Images Plus via Getty Images

Für wen gilt die Verordnung?

Wer Holz, Kakao, Kaffee, Kautschuk, Ölpalme, Soja, Rinder oder daraus hergestellte Erzeugnisse auf dem EU-Markt in Verkehr bringt, bereitstellt oder ausführt, hat neue Pflichten. Diese unterscheiden sich je nach Position in der Lieferkette und auch die Unternehmensgröße ist von Bedeutung. Hier lesen Sie, wie Sie Ihr Unternehmen einordnen müssen.

Um zu erfahren, ob Ihre Handelsware EUDR-pflichtig ist, müssen Sie zunächst folgende Frage klären:

Ist Ihre Handelsware von der EUDR betroffen?

Die EUDR-relevanten Rohstoffe und die zugehörigen Erzeugnisse sind in Anhang I der Verordnung aufgelistet. Nur für diese Handelswaren gilt die Verordnung.

Öffnen Sie den Anhang und vergleichen Sie Ihre Produkte mit den darin gelisteten Rohstoffen und daraus hergestellten Erzeugnissen. Gleichen Sie die darin genannten Zolltarifnummern (HS-/KN-Code) mit denen Ihrer Waren ab. Ist die Zolltarifnummer Ihrer Ware in Verbindung mit dem entsprechenden Rohstoff der linken Spalte in Anhang I der Verordnung aufgeführt, ist Ihre Handelsware EUDR-pflichtig. Ist der HS-Code Ihres Produktes nicht in Anhang I EUDR gelistet, fällt es nicht in den Anwendungsbereich der Verordnung, auch wenn es aus einem relevanten Rohstoff besteht.

Falls Ihre Handelsware unter die EUDR fällt, müssen Sie prüfen, wie umfassend Ihre Sorgfaltspflichten sind. Dafür müssen Sie folgende Fragen beantworten können:

  1. Wo ist Ihre Position in der Lieferkette?
  2. Sind Sie ein Marktteilnehmer oder ein Händler?
  3. Sind Sie ein Kleinst-, kleines, mittleres Unternehmen oder ein größeres? 

Der erste Punkt ist wichtig, da die Verpflichtungen von Marktteilnehmern umfangreicher sind als diejenigen von nachgelagerten Marktteilnehmern und Händlern.

Unterscheidung nach Position in der Lieferkette

Ob Sie in der vor- oder der nachgelagerten Lieferkette mit EUDR-pflichtigen Waren handeln, hat Auswirkungen auf Ihre Verpflichtungen: Die Änderungsverordnung zur EUDR vom 19. Dezember 2025 sieht nur noch vor, dass ausschließlich der Erstinverkehrbringer, also das Unternehmen, das erstmalig einen relevanten Rohstoff oder ein relevantes Erzeugnis auf dem Unionsmarkt bereitstellt (inverkehrbringt) oder aus diesem ausführt, dafür eine Sorgfaltserklärung abgeben muss. Man spricht dabei vom "First-Touch-Prinzip". 

Nachgelagerte Akteure müssen nur noch die Referenznummer der Sorgfaltserklärung des Erstinverkehrbringers einholen und vorhalten. Eine gängige Bezeichnung dieses Prinzips ist die "+1 Regel". Damit ist gemeint, dass nur der Erstinverkehrbringer und dessen erster nachgelagerter Marktteilnehmer den genannten Nachweispflichten unterliegen. Im EUDR-Text selbst gibt es die Bezeichnung "erster nachgelagerter Marktteilnehmer" nicht. Denn dieser gilt automatisch als solcher, wenn er sich in der Lieferkette nach dem Erstinverkehrbringer befindet. Nachgelagerte Marktteilnehmer müssen die eingehend erwähnten  Informationen des Erstinverkehrbringers nicht mehr – wie ursprünglich in der EUDR gefordert – entlang der Lieferkette für Händler und nachgelagerte Marktteilnehmer weiterreichen. Dieser sogenannte "Once-Only-Ansatz" erleichtert die Umsetzung der Verordnung. 

Aber was genau ist im Sinne der EUDR ein Marktteilnehmer und was ein Händler?

Wer gilt generell als Marktteilnehmer?

Generell definiert die EUDR Marktteilnehmer als jede natürliche oder juristische Person, die im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit (= zum Zweck der Verarbeitung, zum Vertrieb an gewerbliche oder nicht-gewerbliche Verbraucher oder zur Verwendung im Unternehmen) relevante Rohstoffe oder Erzeugnisse in Verkehr bringt oder ausführt – mit Ausnahme nachgelagerter Marktteilnehmer.

Siehe dazu Art. 2 Nr. 15, 16 Änderungsverordnung (EU) 2025/2650 vom 19. Dezember 2025 zur Änderung der Verordnung (EU) 2023/1115 (EUDR) (PDF, 977 KB, Nicht barrierefrei).

Damit sind zunächst größere Primärerzeuger, Importeure und Exporteure gemeint.

Wenn ein außerhalb der Union niedergelassener Marktteilnehmer seine Produkte in Verkehr bringt, gilt der erste in der Union niedergelassene Marktteilnehmer als solcher im Sinne der Verordnung. Inverkehrbringen meint gemäß Art. 2 Nr. 16 EUDR die erstmalige Bereitstellung eines relevanten Rohstoffes oder relevanten Erzeugnisses auf dem Unionsmarkt.

Nachgelagerte Lieferkette: Wer ist ein nachgelagerter Marktteilnehmer?

In der nachgelagerten Lieferkette sind diejenigen nachgelagerten Marktteilnehmer, die im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit relevante Erzeugnisse in Verkehr bringen oder ausführen, die unter Verwendung relevanter Erzeugnisse hergestellt wurden, die Gegenstand einer Sorgfaltserklärung oder einer vereinfachten Erklärung sind. Zur Verdeutlichung siehe Absatz oben "Wer gilt als Marktteilnehmer?" 

Nachgelagerte Lieferkette: Wer gilt als Händler?

Jede Person in der Lieferkette, die im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit relevante Erzeugnisse auf dem Markt bereitstellt, ist ein Händler – mit Ausnahme des Marktteilnehmers oder nachgelagerten Marktteilnehmers. "Auf dem Markt bereitstellen" bedeutet: jede entgeltliche oder unentgeltliche Abgabe zum Vertrieb, Verbrauch oder zur Verwendung auf dem Unionsmarkt im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit (siehe Art. 2 Nr. 17 EUDR (n.F. 19.12.2025)).

In der Regel sind Händler weder Hersteller noch Importeure. Sie bieten bereits (erstmals) in Verkehr gebrachte Produkte Kunden zum Verkauf an, beispielsweise Supermärkte oder Einzelhändler. Sie haben dieselben Pflichten wie Marktteilnehmer in der nachgelagerten Lieferkette und müssen in dieser Rolle keine eigene Sorgfaltserklärung abgeben, sondern Informationen sammeln. Mehr zu den Pflichten lesen Sie hier:

Unterscheidung nach Unternehmensgröße

Für den Umfang der EUDR-Pflichten ist neben der Position in der Lieferkette auch die Größe eines Unternehmens oder Betriebs. Sie werden unterteilt in KMU und Nicht-KMU.

Was ist ein KMU?

KMU bedeutet Kleinst-, kleines und mittleres Unternehmen, in Abgrenzung zu Großunternehmen.

Definiert sind KMU in der EU-Richtlinie 2013/34/EU. Deren Art. 3 enthält in Ergänzung der Delegierten Richtlinie (EU) 2023/2775 klare Definitionen, wann ein Unternehmen als Kleinstunternehmen, kleines oder mittleres Unternehmen gilt. 

Die EUDR (Art. 2 Nr. 30 (n.F. 19.12.2025)) verweist auf die Definitionen in Art. 3 Abs. 1, sowie Art. 3 Abs. 2 UAbs. 1 und Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2013/34/EU nach ihrer jeweils gültigen Fassung (aktuell ist dies die "Delegierte Richtlinie (EU) 2023/2775"). 

Um als KMU zu gelten, müssen am Bilanzstichtag pro Kategorie mindestens zwei der drei folgenden Schwellenwerte erfüllt sein:

  • Eine Organisation ist ein Kleinstunternehmen, wenn
    • die Bilanzsumme 450.000 € nicht übersteigt,
    • der Nettoumsatzerlös 900.000 € nicht übersteigt und
    • die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten während des Geschäftsjahres maximal 10 beträgt.
  • Eine Organisation ist ein kleines Unternehmen, wenn
    • die Bilanzsumme maximal 5.000.000 € beträgt,
    • der Nettoumsatzerlös maximal 10.000.000 € beträgt,
    • durchschnittlich während des Geschäftsjahres maximal 50 Beschäftigte zum Unternehmen gehörten.
  • Eine Organisation gilt als mittleres Unternehmen, wenn
    • die Bilanzsumme maximal 25.000.000 € beträgt,
    • der Nettoumsatzerlös maximal 50.000.000 € beträgt,
    • durchschnittlich während des Geschäftsjahres maximal 250 Beschäftigte zum Unternehmen gehörten.

Längere Vorbereitungszeit für Kleinst- und kleine Unternehmen

Die EUDR sieht vor, dass natürliche Personen, Kleinst- und kleine Unternehmen eine längere Vorbereitungszeit zur Anwendung der Verordnung haben als mittlere und große Marktbeteiligte. 

Das bedeutet: Nur für Unternehmen, die am 31. Dezember 2024 gemäß Richtlinie 2013/34/EU als natürliche Person, Kleinst- oder Kleinunternehmen gegründet wurden, gilt eine verlängerte Frist bis zum 30. Juni 2027.

Jetzt wissen Sie, welche Rolle Sie bei der Anwendung der EUDR haben:

Sind Sie ...

... ein Marktteilnehmer in der vorgelagerten Lieferkette (KMU oder Nicht-KMU)?

... ein Marktteilnehmer oder Händler in der nachgelagerten Lieferkette (KMU oder Nicht-KMU)?

Dann lesen Sie hier, was Sie in Ihrer jeweiligen Rolle tun müssen, um EUDR-konform zu handeln.

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Grafik verschiedener Puzzle-Teile, die von Menschen zusammengefügt werden (verweist auf: EUDR-Sorgfaltspflicht im Überblick)