Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Gruppenbild vor dem Kuhstall Besuch von der BLE auf dem Versuchsgut Frankenforst Von links: Dr. Matthias Nickel (BZL-Leiter), Dr. Ute Müller (Universität Bonn), Dr. Hanns-Christoph Eiden (BLE) Quelle: BLE

Tierwohlkriterien in die Landwirtschaft kommunizieren: Das BZL und die Universität Bonn zeigen, wie es geht

Wasseraufnahme, Liege- und Laufzeit oder Herzfrequenz: Welche Parameter bilden das "Wohlfühlen" von Kühen ab? Auf Versuchsgut Frankenforst in Bonn gewährte die Universität Bonn mit dem Projekt "CowSoft" Einblicke in den Stand ihrer Tierwohl-Forschung.

Ein erstes Ergebnis: Kühe können sich an Haltungsänderungen anpassen – und das ohne Einbußen bei der Milchleistung. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) kann als Mittler dazu beitragen, diese Erkenntnisse über verschiedene Kanäle in die landwirtschaftliche Praxis zu bringen, so der Appell der Wissenschaftler.

Während die gesellschaftliche Debatte über Tierwohl in vollem Gange ist, fragen sich die Wissenschaftler in Deutschland, woran sich das Wohlfühlen überhaupt messen lässt. "Wir werden dazu verschiedene Haltungsvarianten und Indikatoren testen", so Dr. Ute Müller vom Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn. Im von der BLE betreuten Innovationsprojekt "CowSoft" versucht die Universität Bonn dank Unterstützung des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu ermitteln, wie neue Ställe für mehr Tier-Komfort gebaut sein müssen. "Dabei haben wir beispielsweise herausgefunden, dass sich die Tiere sehr wohl an Haltungsveränderungen anpassen können, ohne dass die Leistung abnimmt." Ob geänderte Laufwege oder umgeformte Nackenriegel: Die Kühe auf Versuchsgut Frankenforst teilen seit rund zwei Jahren über Sensoren mit, wie es ihnen bei Veränderungen ergeht. "Das sind Daten direkt vom Tier. Sie zeigen, dass ein Umdenken beispielsweise bei einem Stallneubau hilfreich sein kann", so Müller.

Das BZL – Mittler zwischen den Akteuren

Sobald Ergebnisse vorliegen, müssen diese in die landwirtschaftlichen Betriebe gebracht werden. Dabei hilft von nun an das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL), das sich nicht nur den Dialog zwischen den Branchenakteuren und Verbrauchern auf die Fahne geschrieben hat, sondern vor allem Erkenntnisse aus der Forschung zeitnah und praxisorientiert in die Landwirtschaft zu kommunizieren. Austausch und Diskussion sind ausdrücklich erwünscht – ob im Internet oder auf Veranstaltungen: Das BZL wird darüber informieren, was sich in einerseits in der Wissenschaft tut – und was die verschiedenen Akteure andererseits davon haben. "Die Kommunikation von Forschungsergebnissen bedarf Übersetzungsarbeit. Diese leistet das BZL mit seiner Expertise aus verschiedenen Projektträgerschaften und Kommunikationskampagnen. Moderne, nachhaltige Landwirtschaft soll für jedermann transparent und verständlich werden", beschreibt Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, die Aufgabe des BZL. In der Bonner Behörde ist das BZL seit Februar 2017 angesiedelt.

Ein weiter Weg, die Richtung aber stimmt

"Es muss einen Mittelweg zwischen Bauernhof-Romantik und Skandalisierung geben. Diesen will das BZL mit neutralen und zuverlässigen Informationen aufzeigen. Dafür brauchen wir Forschungseinrichtungen und Betriebe, die ihre Türen aufmachen und zeigen, was möglich ist und wie neue Erkenntnisse schnell in die Praxis umgesetzt werden können", so BZL-Leiter Dr. Matthias Nickel. Damit sich alle Interessierten über Neues aus der Landwirtschaft informieren können, baut das BZL derzeit Internetseiten mit Rubriken für Fachleute und Verbraucher auf. Von der Analyse des Milchmarkts über Publikationen zur Milchkuhfütterung bis hin zur Antwort auf die Frage, ob Kühe nur Milch geben, wenn sie Kälber bekommen: Hier soll jeder fündig werden. Das neue Internetangebot geht voraussichtlich im November online.

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Erscheinungsdatum: 17.05.2017