Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Tautropfen an Grashalm Quelle: Landpixel.de

Wasser

12 Fragen und Antworten

Wie viel Wasser wird in der Landwirtschaft verbraucht? Was tun Landwirte, um Wasserverluste zu vermeiden?

Wussten Sie, dass...

... die Landwirtschaft in Deutschland nur 1 Prozent des genutzten Wassers verbraucht?

Die Landwirtschaft zählt in Deutschland zu den Wirtschaftsbereichen mit dem geringsten Wasserbedarf. Nur etwa 1 Prozent der benötigten Wassermenge wird von Landwirten verbraucht. Zum Vergleich: Auf Haushalte entfallen zehn Prozent, auf Kraftwerke etwa 60 Prozent. Der größte Bedarf in der Landwirtschaft entsteht durch Bewässerung einzelner Kulturen wie Gemüse oder Kartoffeln. Weltweit ist das Bild jedoch eine anderes. Mit einem Anteil von etwa 70 Prozent ist die Landwirtschaft mit Abstand der größte Wasserverbraucher. Das liegt vor allem am großen Bewässerungsbedarf in wasserarmen Gebieten der Tropen und Subtropen.

... Wasser das Blut der Pflanze ist?

Ähnlich wie das Blut beim Menschen ist Wasser für Pflanzen das zentrale Transportmittel. Es sorgt dafür, dass lebenswichtige Nährstoffe wie Stickstoff oder Kalium von den Wurzeln in den oberirdischen Teil der Pflanze gelangen. Umgekehrt werden mithilfe von Wasser Zucker und andere lösliche Produkte der Photosynthese aus den Blättern in Samen oder Wurzeln befördert. Für den Transport nutzen Pflanzen ein ausgedehntes Gefäßsystem, das dem Blutgefäßsystem des Menschen ähnelt und das die Pflanze von der Wurzel bis zu den Blättern durchzieht.

... Pflanzen Wasser per Unterdruck aufnehmen und weiterleiten?

Pflanzen geben über ihre Blätter ständig Wasser ab. Dadurch entsteht in den Leitgefäßen ein Unterdruck, der von den Blättern bis in die Wurzelhaare reicht. Dieser sogenannte Transpirationssog macht es erst möglich, Wasser aus dem Boden aufzunehmen. Zudem unterstützt der Sog den weiteren Transport nach oben, bei dem die Schwerkraft überwunden werden muss. Neben dieser passiven Transportvariante verfügen Pflanzen aber auch über einen aktiven Mechanismus: den Wurzeldruck. Damit drücken Pflanzen das aufgenommene Wasser zum Teil so kräftig in die Leitgefäße nach oben, dass sich an den Blattspitzen Tropfen bilden.

... Pflanzen ohne Verdunstung verhungern?

Die größten Wassermengen geben Pflanzen über Spaltöffnungen ab. Die liegen meist auf der Blattunterseite und sind für Pflanzen lebenswichtig. Denn durch die Verdunstung über Spaltöffnungen entsteht der Transpirationssog, mit dem Wasser und Nährstoffe aus den Wurzeln nach oben gelangen. Durch die Spaltöffnungen nimmt die Pflanze auch Kohlendioxid aus der Luft auf. Zusammen mit dem Wasser entstehen daraus in der Photosynthese energiereiche Zucker. Bei Hitze und Trockenheit gibt es allerdings ein Problem: Bleiben die Spaltöffnungen geschlossen, spart die Pflanze zwar Wasser, aber sie kann kein Kohlendioxid mehr aufnehmen. Öffnet sie jedoch ihre Spaltöffnungen, riskiert sie gefährlich hohe Wasserverluste. Die Steuerung der Spaltöffnungen ist deshalb ein komplizierter Prozess, der von vielen Faktoren beeinflusst wird, etwa vom Wasserdruck in den Blattzellen und vom Kohlendioxidgehalt der Luft.

... bis zu 90 % des verdunsteten Wassers an Land von Pflanzen abgegeben wird?

Die Wasserabgabe von Pflanzen, die sogenannte Transpiration, hat einen deutlich höheren Anteil am globalen Wasserkreislauf, als Forscher lange Zeit glaubten. Neuere Untersuchungen zeigen, dass bis zu 90 Prozent des an Land verdunsteten Wassers durch die Pflanzen zurück an die Atmosphäre abgegeben werden. Wissenschaftler erklären diesen Effekt damit, dass Pflanzen über ihre Wurzeln auch Wasser aus tieferen Bodenschichten aufnehmen können und so wieder in den Wasserkreislauf einbringen. Die Verdunstungsraten auf unbewachsenen Flächen und über Seen und Bächen sind dagegen deutlich geringer, da hier nur Wasser aus den obersten Schichten in die Atmosphäre abgegeben wird. Pflanzen sind deshalb wichtig für den globalen Wasserkreislauf: Denn mit dem Wasser, das so zurück in die Atmosphäre gelangt, entsteht immer wieder neuer Regen. Und zwar auch weit entfernt vom Meer.

... Pflanzen bei guten Wachstumsbedingungen Wasser effizienter nutzen?

Wie sparsam Nutzpflanzen mit Wasser umgehen, hängt davon ab, wie gut ihre allgemeinen Wachstumsbedingungen sind. So braucht etwa die Kartoffel bei schlechter Nährstoffversorgung und hohen Temperaturen fast dreieinhalb Mal so viel Wasser für eine Tonne Ertrag wie bei ausreichender Ernährung und günstiger Witterung. Auch bei Raps, Roggen und Silomais nimmt die Wassereffizienz bei ungünstigen Bedingungen deutlich ab. Ihr Wasserbedarf verdoppelt sich beinahe. Wesentlich besser schneiden dagegen Winterweizen und Zuckerrüben ab. Ihr Bedarf steigt auch bei schlechten Voraussetzungen „nur“ um die Hälfte.

... es Wasser im Boden gibt, das Pflanzen nicht aufnehmen können?

Pflanzen können nicht automatisch das gesamte Wasser im Boden nutzen. Ein großer Teil des Wassers ist in sogenannten Bodenkapillaren gebunden, also in feinen Kanälen mit unterschiedlichsten Durchmessern. Je kleiner der Durchmesser dieser Kapillaren, desto stärker ist das Wasser darin gebunden. Pflanzenwurzeln nehmen Bodenwasser über feine Härchen auf, die einen osmotischen Sog erzeugen. Ab einem bestimmten Durchmesser sind die Anhaftungskräfte des Wassers im Boden aber größer als die Sogkraft der Wurzeln. Man spricht in diesem Fall von Totwasser. Während in leichten Sandböden so gut wie kein Totwasser vorkommt, kann der Anteil in tonreichen, schweren Böden dagegen sehr hoch sein.

... Landwirte viel tun, um Wasserverluste zu vermeiden?

Landwirte und Gemüsebauern nutzen viele Möglichkeiten, um Wasserverluste auf ihren Flächen gering zu halten. So werden etwa Stoppelfelder nach der Getreideernte mit dem Grubber bearbeitet, um die wasserführenden Poren der obersten Bodenschicht zu unterbrechen und die Verdunstung zu senken. Zudem können Landwirte über hohe Humusgehalte die Wasserspeicherfähigkeit ihrer Böden verbessern. Wenn diese und andere Maßnahmen nicht ausreichen, muss bewässert werden – und das möglichst sparsam. Im Gemüseanbau und zum Teil auch bei Kartoffeln setzt man deshalb verstärkt auf Tröpfchenbewässerung, statt auf eine großflächige, verlustreiche Verteilung über Sprengeranlagen. Dabei bringen dünne Schläuche das Wasser direkt zu den Pflanzen. Über Sensoren, die die Bodenfeuchte messen, ist sogar eine Bewässerung nach Bedarf möglich. Aber Bewässerung ist teuer. Im Schnitt liegen die zusätzlichen Kosten bei 300 bis 400 Euro je Hektar.

... Züchter Nutzpflanzen an den Klimawandel anpassen?

Der Klimawandel erhöht weltweit das Risiko für längere Trockenheiten, auch in vielen Regionen Deutschlands. Züchter versuchen deshalb seit längerem, die Mechanismen zu verstehen, die Getreide und andere Kulturen toleranter gegenüber Hitze und Trockenheit machen. Bisher konnten sie einige verantwortliche Gene dafür ausfindig machen. Häufig werden sie bei Wildpflanzen fündig, die anders als die auf hohe Erträge gezüchteten Nutzpflanzen Trockenperioden wesentlich besser überstehen. Der Schlüssel liegt vor allem im Schließ- und Öffnungsmechnismus der Spaltöffnungen der Blätter, da Pflanzen auf diesem Weg das meiste Wasser abgeben. Das Ziel der Forscher ist von existenzieller Bedeutung: Nur mit trockenheitstoleranten neuen Sorten kann auch in einer „heißeren“ Zukunft die Nahrungsversorgung gesichert werden.

... Landwirte in Deutschland mit unterschiedlichen Niederschlagsmengen arbeiten müssen?

In Deutschland fallen im Durchschnitt 750 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Diese Menge genügt in der Regel, um wichtige Kulturen wie Getreide, Mais oder Kartoffeln ohne Ertragseinbußen anbauen zu können. Allerdings ist das Wasserangebot von Jahr zu Jahr und regional sehr unterschiedlich. Während Landwirte in Mittelgebirgen wie dem Bergischen Land, dem Schwarzwald oder im Harz mit bis zu 1200 Millimeter Niederschlag im Jahr rechnen können, stehen in ungünstigen Lagen in Franken, Brandenburg oder Thüringen weniger als 500 Millimeter zur Verfügung. Landwirte stellen sich darauf ein, indem sie zum Beispiel in trockenen Gebieten Kulturen und Sorten wählen, die wenig Wasser benötigen.

... viele Gemüsesorten besonders sensibel auf Wassermangel reagieren?

Verschiedene Gemüsearten wie Salat oder Kohl können mit vorübergehender Trockenheit deutlich schlechter umgehen als klassische Ackerkulturen. Bei Getreide, Mais oder Zuckerrüben sinkt in der Regel nur der Ertrag, während die Qualität relativ stabil bleibt. Bei Gemüse kann Trockenstress dagegen schnell zum Totalausfall führen. So vergilben bei Kopfsalat die Blätter durch Wassermangel oder sterben sogar ab, was die Ware unverkäuflich macht. Bei Blumenkohl äußert sich Trockenheit in zu kleinen Köpfen, die den Qualitätsansprüchen des Handels oft nicht mehr genügen. Um sich vor Trockenschäden zu schützen, arbeiten fast alle Gemüsebauern im Freilandanbau mit Bewässerungsanlagen.

... auf der Erde täglich die 30-fache Menge des Bodensees verdunstet?

Der Wasserkreislauf der Erde bewegt unvorstellbar viel Wasser. So verdunstet jeden Tag weltweit die 30-fache Wassermenge des Bodensees und wird von der Atmosphäre aufgenommen. Insgesamt gibt es auf der Erde knapp 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser. Das entspricht einer Kugel von 1370 Kilometern Durchmesser aus purem Wasser. Pflanzen und Menschen können davon aber nur den geringsten Teil nutzen. Denn der Anteil des Süßwassers an dieser Menge beträgt gerade einmal 2,5 Prozent, von denen wiederum weit mehr als zwei Drittel unerreichbar im Eis rund um die Pole gebunden sind. Auch vom verbleibenden Rest kann der Mensch nur einen Bruchteil nutzen. Vergleicht man die weltweit vorhandene Wassermenge mit einer Badewannenfüllung von 150 Litern, entspricht der für Menschen tatsächlich zugängliche Anteil nur einem Likörglas von 0,02 Litern.

Broschüre "Ein gutes Tröpfchen - Wasser in der Landwirtschaft"

Weitere Informationen gibt es in der Pocket-Broschüre "Ein gutes Tröpfchen - Wasser in der Landwirtschaft".