Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Ackerbohnen-Aussaat Der Ackerbohnen-Blog aus dem Odenwald Aussaat der Ackerbohnen Quelle: Kerstin Spory, FiBL

Der Ackerbohnen-Blog aus dem Odenwald

Mit seinem Ackerbohnentagebuch liefert Landwirt Ulrich Rauth über die gesamte Vegetationsperiode Tipps für den Anbau von Sommerackerbohnen.

Mit den Leguminosen in seiner fünfgliedrigen Fruchtfolge schafft er den aus seiner Sicht zurzeit bestmöglichen Kompromiss aus Ökologie und Ökonomie. Als Teil des Demonstrationsnetzwerks "Erbse Bohne" sorgt er dafür, das Wissen zur Eigenversorgung mit Eiweißpflanzen direkt in die Praxis zu tragen.

Gerade hat Ulrich Rauth in Modautal im vorderen Odenwald auf 20 Prozent seiner Ackerfläche Sommerackerbohnen ausgesät. In seiner standtortangepassten Direktsaatfruchtfolge schwört der Landwirt auf Leguminosen zur Saatgutvermehrung. "Die Bohnen tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei und durch die Bindung von Luftstickstoff kann ich die N-Düngung reduzieren", erklärt Rauth. Sommerackerbohnen hielten zudem Ungräser in Schach.

Was er auf dem Acker tut, dokumentiert Rauth in einem Blog auf www.demoneterbo.agrarpraxisforschung.de/index.php?id=148. Mit Fotos zu den Arbeitsschritten liefert er über die gesamte Vegetationsperiode Anbaubeschreibungen für Berufskollegen. "Manchen kann ich vielleicht so den Anstoß geben zu überlegen, welche positiven Effekte der Anbau auch in ihrem System hätte", so Rauth. Damit setzt der Landwirt um, was sich die Bundesregierung mit der Eiweißpflanzenstrategie zum Ziel gemacht hat: Informationen über den Anbau und die Verwertung von Eiweißpflanzen vermitteln und damit den Anteil heimisch erzeugter Leguminosen steigern. Insgesamt 75 Demonstrationsbetriebe geben im Netzwerk Ackerbohne/Erbse, das die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Projektträger betreut, ihr Praxiswissen weiter. Ins Boot holen wollen sie auch weitere Akteure der Wertschöpfungskette: Verarbeiter, Futtermischwerke, Landhandel und Lebensmittelindustrie.

Neue Handelsplattform

www.leguminosenmarkt.de

Körnerleguminosen sollen ein fester Bestandteil in den Fruchtfolgen der Betriebe werden. Ulrich Rauth ist schon so weit: Er baut Winterraps, Winterweizen, Sommerackerbohnen, Sommergerste und Zwischenfrüchte an. Der Winterweizen steht zweimal in der Fruchtfolge: einmal nach Winterraps und einmal nach Sommerackerbohnen, immer nach der idealen Vorfrucht. Damit lassen sich die unter wirtschaftlicher Sicht tragenden Kulturen Weizen und Raps mit hohem Anteil erhalten, gleichzeitig die Bodenbearbeitung und N-Düngung reduzieren sowie der Humusaufbau maximal steigern. Doch auch in der weiteren Wertschöpfungskette muss die Nachfrage steigen. Deshalb hat das Netzwerk die Internetbörse www.leguminosenmarkt.de eingerichtet. Sie soll mit der Möglichkeit, Rohware zu ordern oder Gesuche einzustellen den zwischenbetrieblichen Handel anregen.

Wie steht es um die Wirtschaftlichkeit? Deckungsbeitrag ist nicht alles

Da Ulrich Rauth ausschließlich Ackerbau betreibt, baut er Sommerackerbohnen für die Saatguterzeugung an. "Bei einer einfachen Deckungsbeitragsrechnung, in der ich Sommerackerbohnen als Vermehrungsanbau mit den anderen angebauten Kulturen vergleiche, kommt die Reihenfolge Sommerackerbohnen, Winterraps, Winterweizen und Sommergerste heraus. Diese Aufstellung ist allerdings nicht ganz fair, weil Saatgutware eine höhere Marktleistung als Konsumware hat", betont Rauth. Für die Beurteilung müssten daher unbedingt alle weiteren Einflüsse und positiven Effekte wie beispielsweise der Vorfruchtwert, Einsparungen bei der Bodenbearbeitung der Folgefrucht und der Humusaufbau berücksichtigt werden.

Eine große Aufgabe für die Züchtung

"Insbesondere im konventionellen Anbau schlummert noch großes Flächen-potenzial zum Leguminosenanbau", stellt Ulrich Quendt vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen fest, der das Demonstrationsnetzwerk koordiniert. „Im ökologischen Bereich geht es hingegen eher um die Optimierung des Anbaus und der Sortenwahl sowie die Erzeugung von höherwertigen Produkten, beispielsweise für die Humanernährung“, erklärt Quendt weiter. Dabei will das Netzwerk auch den Kontakt zu Wissenschaftlern suchen; wichtig, wie Landwirt Ulrich Rauth findet: "Ackerbohnen sind bei weitem noch nicht ausreichend züchterisch bearbeitet. Die Wachstumsabschnitte verlaufen noch sehr fließend ineinander, verbunden mit einer sehr langen Blühphase. Auch bezüglich Wuchslänge, Pflanzenarchitektur, Mähdruscheignung oder Trockenstress-toleranz besteht noch Bedarf an züchterischer Weiterentwicklung", so Rauth. Zudem müsse nach Möglichkeiten geforscht werden, das Problem mit Virosen, Schädlingen und Pflanzenkrankheiten besser in den Griff zu bekommen.

Der Landwirt blickt jedoch optimistisch in die Zukunft. Er ist sich sicher, sein Ackerbausystem durch die Integration von Sommerackerbohnen weiter optimiert zu haben. Es sei nunmehr stabiler, nachhaltiger und besser an die Standortbedingungen angepasst – "der bestmögliche Kompromiss aus Ökonomie und Ökologie".

Erscheinungsdatum: 04.04.2017