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Mit Rückenwind durchs Jahr der Hülsenfrüchte

Auf der diesjährigen BioFach in Nürnberg zeigte die Geschäftsstelle Eiweißpflanzenstrategie (EPS) erste Erfolge. Dabei wurde eindrucksvoll klar: In den Demonstrationsnetzwerken Soja, Lupinen und Erbsen engagieren sich die Betriebe an vielen Stellen: Von der Saatgutoptimierung bis hin zur Aufbereitung und Veredelung.

Wie können Angebot und Nachfrage heimisch erzeugter Hülsenfrüchte gesteigert werden? Dieser Frage widmeten sich die Geschäftsstelle Eiweißpflanzenstrategie (EPS) der BLE und rund 50 Teilnehmer auf der BioFach in Nürnberg.

Drei Antriebsräder sieht das Bundeslandwirtschaftsministerium in seiner Strategie für mehr heimische Hülsenfrüchte vor: Zum einen agrarpolitische Rahmenbedingungen, bedarfsgerechte Forschung sowie gute und effektive Beratung in der Praxis. "Ein großes Potenzial besteht im konventionellen Anbau. Hier kann die Anbaufläche noch deutlich erhöht werden. Davon haben dann auch Ökobetriebe etwas", erklärte die Geschäftsstellenleiterin Dr. Annegret Groß-Spangenberg. "Denn bei größerer Nachfrage können sich beispielsweise Zuchtprogramme refinanzieren, deren Resultate sowohl für konventionelle als auch für Ökolandwirte interessant sind."

Eiden: "Innovationspartnerschaften, die beeindrucken"

Gruppenfoto Mit Rückenwind durchs Jahr der HülsenfrüchteV.l.: Dr. Nina Weiher (LfL Bayern), Dr. Ute Williges (LLH), Dr. Annegret Groß-Spangenberg (BLE), BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden, Dr. Anett Gefrom (LFA Mecklenburg-Vorpommern), Dr. Birgit Wilhelm und Moderatorin Barbara Weber (BMEL) © BLE

Derzeit arbeiten bereits innovative Betriebe in drei Netzwerken zu Soja, Lupine und Erbse/Bohne daran, den Herausforderungen des heimischen Anbaus zu begegnen. Die Koordinatorinnen der Netzwerke stellten in Nürnberg nun erste Ergebnisse vor. BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden freute sich darüber, dass die Eiweißpflanzenstrategie damit in der Praxis umgesetzt wird: "Die Netzwerke sind Innovationspartnerschaften, die beeindrucken", so Eiden.

Soja: Anbaufläche verdreifacht

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft koordiniert das seit 2013 laufende Soja-Netzwerk. 120 Demonstrationsbetriebe, davon die Hälfte konventionell wirtschaftend, beschäftigen sich mit den Erfolgsfaktoren für heimischen Sojaanbau: Modellhafte Wertschöpfungsketten beinhalten qualitativ und quantitativ optimiertes Saatgut, ausreichende Anbauflächen, angemessene Preise, verbesserte Rohwarenerfassung und Lagerung, neue Ideen zur Reinigung und Aufbereitung sowie auch die Veredelung von Soja. "Dabei stehen die Betriebe in engem Austausch mit Forschern und testen vor Ort, was die Wissenschaft herausgefunden hat – so gelingt der Wissenstransfer in die Praxis.", erklärte die Projektkoordinatorin Dr. Nina Weiher. Und der Erfolg ist ihnen sicher: Die Soja-Anbaufläche in Deutschland hat sich in von 2012 bis 2015 von 5.000 Hektar auf über 17.000 Hektar verdreifacht. Für die Zukunft heißt es: Weitermachen, Wissen fördern und insbesondere Neueinsteiger gut beraten!

Ertragsstabile Lupinensorten sind gefragt

Dr. Anett Gefrom von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern verdeutlichte an Beispielen, wie breit Lupinen in der Land- und Ernährungswirtschaft einsetzbar sind. Auf 52 Netzwerkbetrieben, davon 30 konventionellen, findet die Lupine Einsatz bei der Saatgutvermehrung, Milcherzeugung oder auch Humanernährung. So kämen auf einem Bio-Betrieb mit einer Milchleistung von 9.000 Kilogramm Tagesrationen von drei bis vier Kilogramm Lupine zum Einsatz. In der Ernährungswelt hält die Lupine ebenfalls Einzug, ob in Quark oder Brotaufstrich, Käseprodukten oder Nudeln. Und das Ganze sogar gluten- oder lactosefrei. Entsprechend hat sich die Anbaufläche von Lupinen in Deutschland entwickelt: Waren es 2013 noch 17.400 Hektar, stieg die Zahl bis 2015 auf 29.800 Hektar an.

Netzwerk zu Erbsen und Bohnen geht an den Start

Das jüngste Netzwerk mit insgesamt 16 Kooperationspartnern in elf Bundesländern beschäftigt sich mit Erbsen und Bohnen. "Wir streben eine enge Zusammenarbeit mit den beiden an-deren Netzwerken an", so Dr. Ute Williges vom Landesbetrieb Landwirtschaft in Hessen. Insbesondere die ab 2018 geltende Regelung zu 100 Prozent Bio-Fütterung stelle die Branche vor große Herausforderungen. In den einzelnen Bundesländern soll es verschiedene Schwerpunkte geben – beispielsweise zu den Themen Regionalmolkerei oder 100 Prozent Bio-Fütterung in Legehennenbetrieben.

Was kommt nach 2018?

Die Eiweißpflanzenstrategie läuft noch bis zum Jahr 2018. Und dann? "Wünschenswert wäre es, wenn die Netzwerke weiter gefördert werden könnten. Ebenso die Züchtung – denn hier braucht die Entwicklung bis zu zehn Jahre Zeit", so Dr. Annegret Groß-Spangenberg. Außerdem gebe es noch viele Bereiche, in denen bisher "gar nichts läuft" – beispielsweise Linsen, Kichererbsen oder Kidneybohnen. "Das Internationale Jahr der Hülsenfrüchte 2016 gibt uns viel Rückenwind und erzeugt großes Interesse am Thema. Das gilt es jetzt zu nutzen", so die Leiterin der in der BLE angesiedelten Geschäftsstelle.