Entwicklung der Forschungsförderung des BÖLN
Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) wurde 2001 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz initiiert, um den deutschen ökologischen Landbau zu fördern. Wichtige Schwerpunkte des BÖLN bildeten die Forschungsförderung und die Verbreitung der Ergebnisse in die Praxis
© focus finder - Fotolia.com
Erste Förderphase (2001 bis 2003)
Trotz der anfangs begrenzten Laufzeit des Bundesprogramms bis Ende 2003 konnten in der ersten Förderphase des BÖLN bereits 180 Forschungs- und Entwicklungs-Vorhaben (FuE-Vorhaben) realisiert werden.
Der Schwerpunkt lag auf Status-Quo-Analysen und Voruntersuchungen, um daraus weiteren Forschungs- und Handlungsbedarf abzuleiten.
Zweite Förderphase (2004 bis 2006)
In der zweiten Förderphase des BÖLN ab Anfang 2004 wurden gemeinsam mit maßgeblichen Akteuren aus Forschung, Praxis und Beratung neue Forschungsschwerpunkte erarbeitet und weitere Projektvorschläge eingeworben. Daraus resultierten rund 130 neue FuE-Vorhaben in allen Bereichen entlang der ökologischen Wertschöpfungskette. Bei der Projektauswahl wurde neben der notwendigen Priorisierung nach thematischer Relevanz und Praxisnähe ein besonderer Wert auf eine ausgewogene Einbindung von Wissenschaftlern, Beratern und Praktikern gelegt. Zahlreiche Verbundvorhaben unter Beteiligung mehrerer Forschungseinrichtungen sowie themenbezogene Netzwerkprojekte, in denen viele Akteure des Ökolandbaus aktiv mitarbeiteten, wurden realisiert.
Dritte Förderphase (2007 bis 2008)
In der dritten Phase (Anfang 2007 bis Mitte 2008) wurden die Themenbereiche der zweiten Phase zu thematischen Förderschwerpunkten verdichtet und die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Projektansätzen in drei interdisziplinären Verbundvorhaben gestärkt (Themenbereiche "Gesundheit und Leistung in der ökologischen Milchviehhaltung", "Gesundheit und Leistung in der ökologischen Haltung von Sauen und Ferkeln" und "Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenernährung"). Mit diesen thematisch ausgerichteten interdisziplinären Projektverbünden sollten das "System Ökolandbau" in seiner Komplexität erforscht und der Wissenstransfer in die einzelnen Zielgruppen garantiert werden.
Der überwiegende Anteil der thematischen FuE-Projekte zielte dabei wie in der zweiten Phase auf die starke Einbindung von Beratung und Praxis ab. Ausgangspunkt dieser Phase war ein großer Themenfindungsprozess – über alle Bereiche im ökologischen Landbau hinweg – mittels sehr breit angelegter Befragungen aller Akteure (Wissenschaft, Beratung, Praxis), die durch die Geschäftsstelle BÖLN ausgewertet wurden.
Vierte Förderphase (2008 bis 2010)
Seit 2008 wurde der Forschungs- und Entwicklungsbereich des BÖLN gestärkt, so dass jährlich 8,375 Millionen Euro zur Verfügung standen, die in neue Forschungsvorhaben einfließen konnten. In dieser vierten Phase (Mitte 2008 bis 2010) wurden weiterhin thematische FuE-Projekte unter Einbindung von Wissenschaft, Beratung und Praxis gefördert. In einzelnen Bereichen (z.B. Tiergesundheit) wurden Projekte mit modellhaftem Charakter und Vorbildfunktion initiiert, um den Wissenstransfer zu verstärken. Charakteristisch für diese Phase waren zudem die Durchführung von Wissensstandanalysen und die Fokussierung auf identifizierte konkrete Forschungslücken in einzelnen Bereichen. Außerdem gewannen die transnationale Forschung und Vernetzung u.a. im Rahmen des EU-ERANET-Projektes "CORE Organic" zunehmend an Bedeutung (www.coreorganic.org).
Fünfte Förderphase (2010 bis heute)
Erstmalig wurden alle förderfähigen Verbundvorhaben (Zusammenschlüsse von Wissenschaft, Beratung und Praxis) der Bekanntmachung zum Themenkomplex "Förderung der nachhaltigen und einheimischen Eiweißversorgung in der Monogastrierernährung - 100 Prozent Biofütterung" eng miteinander verzahnt, um den Austausch zwischen den Projekten zu verbessern und Synergien zu nutzen. Nach der Hälfte der Projektlaufzeit wurden die Zwischenergebnisse zusammen mit Praxis und Beratung diskutiert, um erforderlichenfalls das Versuchsdesign anzupassen oder weitere Fragestellungen mit aufzunehmen. Nach Projektende nach drei Jahren soll ein Austausch mit Praxis und Beratung erfolgen, um die Ergebnisse zu diskutieren sowie ggf. weiteren Forschungsbedarf abzuleiten. Damit wurde eine stärkere transdisziplinäre Ausrichtung der Vorhaben umgesetzt.
Aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags vom 26. November 2010 erfolgte die Öffnung des Bundesprogramms für andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft – das BÖL wurde zum BÖLN. Im "Sojaverbundvorhaben“, einem interdisziplinären Zusammenschluss von Wissenschaft, Praxis, Beratung und verarbeitenden Unternehmen zur Förderung und Er-forschung des Sojaanbaus in Deutschland, wurde diese inhaltliche Erweiterung erstmals umgesetzt: An dem Projekt sind neben ökologisch wirtschaftenden auch konventionelle Betriebe beteiligt, insgesamt ist die gesamte Wertschöpfungskette abgebildet.
